Tag 3: The Day After… 15.4.2015

Guten Morgen

Wow, vielen Dank für die vielen Glückwünsche zum Geburtstag und die positiven Resonanzen zu meinem Blog! Sowas gibt mir Kraft und Energie die ich momentan gut gebrauchen kann.
Mit Euch bin ich nicht allein!
Danke dafür.
Es waren Worte dabei die mir so unglaublich viel gegeben haben, teilweise ist es kaum zu beschreiben. Ich kann das hier garnicht in Worte fassen wie ich fühle, bin einfach überwältigt.
Wenigstens heute Nacht mal gut geschlafen und sogar zum Frühstück geweckt worden.
Der Baumarktverkäufer hatte mir schon mein Frühstück an den Tisch gestellt, ich glaub der will eine Freundschaft aufbauen 🙂 Am Tisch dann “ the same procedure than every hour“ hab die Geschichte mittlerweile zum 19. Mal gehört. Ich glaub ich erzähl sie ihm heute mal bevor er zu Wort kommt. Auf die Reaktion bin ich gespannt, im Grunde genommen ist er ein netter, man lernt hier die Menschen zu akzeptieren wie sie sind.Nach dem Frühstück dann ein Zusammentreffen aller „Insassen“ im Speisesaal, auch Forum genannt 🙂
Der besagte hat dann gleich beschlossen das ich mit Ihm den Essenswagen-Dienst für die Woche mache. Naja, sehr anspruchsvoll: Wagen einen Stock tiefer holen, in den Aufzug und bei uns in den Speisesaal stellen. Herzlichen Glückwunsch. Hab mich dazu noch freiwillig gemeldet im Raucherraum,ab und zu, aufzuräumen, mache ja schließlich als E Zigaretten Raucher den meisten Dreck! Aber Hauptsache beschäftigt!
Nächster Plan, den Arzt wieder nerven um endlich mal eine Therapie zu bekommen.
Ab 11 Uhr hat er Zeit für mich und ich könne mir mal den Wochenplan ansehen.
Kurz nach dem Frühstück bzw Forum liegen die meisten schon wieder auf den Sofas und in den Zimmern und pennen. Eine ältere Frau ist permanent am heulen.
Ich glaub die Stimmung und der Alltag hier zieht die Patienten noch mehr runter. Mir kommt es so vor als ob diese Trostlosigkeit und die Leere in den Gesichtern jeden Tag schlimmer wird.
Bei den meisten ist die Zukunftsperspektiven bei gleich Null, so hab ich zumindest den Eindruck. Und ich habe das starke Gefühl das diese Einrichtung nicht gerade viel daran ändern kann wenn die Leute nicht selbst wieder  einen Lebenswillen entwickeln und aktiv an sich arbeiten.Nicht nur Tag ein, Tag aus die Therapien und Gespräche über sich ergehen lassen.
Zur Not bleibt immer noch der Cast für diverse Rod Zombie Filme oder Jobs als Karusellschieber.
Erkenntnis des Morgens: Das Leben ist kein fucking Baumarkt, man bekommt nichts geschenkt.
Nun zum Wochenplan, es gibt:
Kunsttherapie
Reittherapie
BWT ( was auch immer das sein mag)
Musiktherapie
Kochtherapie
Ausdauertraining
Klettern
Alles genau das richtige für mich, erinnert mich etwas an die Schulzeit wo du wenigsten eine Vier in einem der unbeliebtesten Nebenfächern hast bekommen müssen um nicht durchzufallen.
Trotzdem werde ich mich mal zu allem einschreiben, und wer weiß… Vielleicht wandere ich bald auf den Spuren Hundertwasser,Beerbaum, Beethoven, Joey Kelly und den Huber Buam.
Endlich hatte ich das psychologische Gespräch mit dem leitenden Arzt.Dieses Gespräch hat mir meiner Meinung nach sehr viel gebracht und mir von Anfang an auch Dinge gezeigt hat die ich bis jetzt immer aus einer anderen Perspektive gesehen habe.
Dieses „öffnen“ vor einem anderen ist garnicht so einfach aber ich kann es jedem raten, auch wenn Ihr eure Probleme nur eurer vertrockneten Zimmerpflanze vom Real erzählt, es hilft.
Zack,Bumm, Bäng… Und schon gibt’s wieder Mittagessen. Das heutige Dinner:Putenbrustfilet an Orangensauce mit Kaisergemüse und Spargelcremesuppe. Leider hab ich das Tablett verwechselt und die Hälfte einer anderen Patientin gegessen.Naja kann mir ja nicht schaden 🙂
Nach dem Mittagessen wurde ich vom Azubi zu ner Runde Billiard herausgefordert da alle anderen mal wieder nicht zu motivieren waren bzw Therapien hatten. Anschließend ging ich meine tägliche Runde joggen und hab danach bei ner kühlen Coke (natürlich Zero) und entspannenden Klängen einfach mal die Seele im Park baumeln lassen und mir eure Resonanzen nochmals wohltuend durch den Kopf gehen lassen. Ihr glaubt nicht wie gut sowas tun kann an Tagen wie diesen.
Mittlerweile hab ich auch rausgefunden das die Leute bei mir auf Station aus den ganz unterschiedlichsten Gründen hier sind, von Suizidversuchen bis Boarderline ist alles dabei, selbst Dinge bei denen man nie denkt das eine psychische Behandlung nötig ist. Das macht es für mich leichter die „Zombies“ zu verstehen und nicht falsch zu urteilen.
Bis 17Uhr hab ich weiter am Blog geschrieben, dann bin ich mit einer Grupper der aktiveren Patienten eine „gemütliche“ Runde laufen gegangen, das Laufen war meiner aktuellen Jogging Geschwindigkeit gleichzusetzen!
Ein Teil der Gruppe hat sich frühzeitig verabschiedet aber ich wollte das „Ding“ durchziehen und bin mit den beiden Jüngeren gelaufen, mehr Berg auf als ab!! Es ergab sich im Laufe der Runde ein sehr nettes Gespräch was mir auch wieder die Vielfältigkeit der Erkrankungen auf meiner Station aufzeigte.
Gut durchgeschwitzt kamen wir direkt zum Abendessen auf Station an.
Danach schnell duschen und hier posten, dann heißt es wieder : Super Bayern Super Bayern Hey, Hey! Champions League Time.
Eine Frage stellte sich noch beim Abendessen:
Wer hat das halbe Päckchen Zucker vom Baumarktverkäufer verbraucht?
Die Neue?
Der Gärtner?
Oder Christoph Daum aus der Suchtstation?
Kobra, übernehmen Sie!
In diesem Sinne…
Bis Morgen
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Ein Kommentar zu „Tag 3: The Day After… 15.4.2015

Gib deinen ab

  1. hi lalle, jetzt bin ich nicht nur sehr stolz auf dich und deinen mutigen schritt … nein – ich werde auch noch zu einem fan von dir 😊 macht riesig spass deine einträge zu lesen. mach weiter so … mit beidem 👍 lg DaRin

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