Tag 4: Die Königin von Abalon 16.4.2015

Die Nacht war diesmal nicht so berauschend, richtig schlecht und unruhig geschlafen, liegt aber sicher an dem ganzen Theater was einer meiner Zimmernachbarn veranstaltet hat. Die sind hier sehr kompromisslos, Fixieren, „Gummizelle“ und wenn nötig eine Spritze die dich tagelang ins Orbit haut.

Für gestern muss ich noch einen kleinen Nachtrag schreiben weil es doch schon relativ lustig war.
Ca. 19 Uhr ist eine neue Insassin gekommen, so Mitte Fünfzig, 120kg und Rheinländerin. Machte anfangs einen recht „normalen“ Eindruck (Normal ist hier relativ). Kurze Zeit später lag sie nackt im Flur und schrie durch die ganze Station das sie die Königin von Abalon ist, Gott sei Dank hab ich diesen Anblick nicht miterleben müssen, ein anderer der das Schauspiel mit eigenen Augen hat sehen müssen ist danach noch min. eine Stunde nur im Kreis gelaufen und mit „im Kreis laufen“ mein ich wirklich IM KREIS LAUFEN!
Als die Pflegerin sie dann in ein Handtuch gepackt hat, hat sie im Vorbeigehen noch gemeint sie bräuchte ein Shirt, am besten in Größe S. Ich hab mir fast eingepinkelt vor lachen. Danach hat sie sich noch paarmal auf den Boden geworfen und die unglaublichsten Dinge von sich gegeben, hätte man Filmen sollen.
Nun zum heutigen Tag, nach dem Frühstück hab ich ewig auf die große Visite gewartet. Die Königin von Abalon hat wieder ihr bestes gegeben, erstmal alle Damen als Huren und Hexen beschimpft und zum Rest gemeint das wir alle nach Grafeneck oder Dachau kommen.
Zum heutigen Dinner in der Kantine zum verrückten Esel gab es Putenschnitzel mit Westernkartoffeln, Salat und einer Griesnockerlsuppe mit genau EINEM Nockerl!!!
Danach stand der Tag ganz im Zeichen der Bewegung. Langsam bekommt man hier Schwung in die Bude. Mit vier meiner Mitinsassen ging ich zu einer lockeren Runde Basketball, was sich als Linienwerfen entpuppte.Sehr zu erwähnen sind die teils seltsamen Wurfstile die erstaunlicherweise auch noch ihr Ziel treffen, nach ca. einer Stunde traf am benachbarten Sandbolzplatz die Dorfjugend ein die wir natürlich sofort zum Fussballduell rausforderten… Und sang und klanglos untergingen 🙂 wenigsten schoss ich das einzige Tor für unsere Mannschaft die „Crazy Ones“
Kaum zurück stand meine erste richtige Therapieeinheit auf dem Plan, reiten!
Mit nem Bus wurden wir in einer Vierergruppe zum Reiterhof gebracht.
Für Pferdeliebhaber wären da sicher tolle Tiere dabei gewesen, aber nachdem wir nach unserem Gewicht gefragt wurden beschränkte sich die Auswahl auf ein Pferd namens Rosi.
Schnell kristallisierte sich auf der Koppel raus welches Pferd Rosi ist, war mir eigentlich schon beim Namen klar. Ein riesengroßer, fetter Ackergaul! Hat aber ganz gut geklappt mit dem Reiten. Erinnerte mich etwas an die Volksfest Besuche wenn kleine Kinder auf kleinen Ponys noch kleinere Bahnen im Kreis drehten.
Nach 1,5h war der Spaß auch schon wieder rum und es ging zurück. Ich ging dann meine tägliche Runde bei Netto und Penny vorbei, heute in Begleitung meines Baumarktverkäufer.
Im Penny gabs Shorts wo er sich dann auch gleich eine kaufte, an der Kasse dachte ich noch „Hmm Größe M wird bei Ihm schon knapp,aber er muss ja wissen was er braucht.“
Gerade ist er dabei die Hose in eine XL umzutauschen. Tja die Selbsteinschätzung wird hier in anderen Maßstäben gewertet 🙂
Zurück vom Shoppen wurde ich schon sehnsüchtig von meiner „Sportgruppe“ erwartet, trotz schon kaputter Beine hab ich mich nochmal überreden lassen mitzukommen, bin ja froh das hier mal was geht und man auch bei den anderen mehr Motivation sieht.
Diesmal wurde aber nach meinen Regeln gespielt, 2 vs. 2 Streetball anstatt Linienwerfen. Große Begeisterung brach aus als ich anstatt den Stöcken,die immer als Linien gelegt wurden, mit einem Stein die Linien bzw Feldbegrenzung zog 🙂
Das Mädel und Ich gegen die beiden Jungs. Und wir haben sie zerlegt! Bähmmm!
Alle waren begeistert von dieser Art von Basketball ( die Regeln wollte ich auch nicht ganz so streng auslegen bevor die anderen die Lust verloren)
So langsam hab ich das Gefühl das ich manchen schon bei Ihrer Motivation geholfen hab, es wird auch von ruhigeren Patienten der Kontakt zu mir gesucht und ich werde immer öfter gefragt ob ich mit dem ein oder anderen was unternehmen könnte, wie zB. „Hey hast Lust mit mir ein alkoholfreies Bier zu trinken?“ Äh ne, aber gerne ein normales oder wenigstens Radler,danke.Ist zwar verboten aber Hey? Was soll schon schlimmeres kommen. Freut mich helfen zu können und gleichzeitig tut es auch mir in meiner Situation gut.
Der restliche Plan für heute?
Duschen, Abendessen, Europa League schaun und meinen heutigen Blogeintrag schreiben.
Viel Spaß beim lesen, bis Morgen.
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