Tag 11: Der Letzte macht das Licht aus… 23.4.2015

Nun ist es soweit, der Tag meiner Entlassung ist gekommen. Geschlafen hab ich kaum, da waren einfach zu viele Gedanken im Kopf die mich beschäftigt haben. Das komische Gefühl vom Vortag hat sich nochmals deutlich verstärkt, dies mag wohl auch der Grund sein warum ich einfach nicht aus dem Bett wollte. 

Als ich mich dann doch aufraffen konnte war das Frühstück schon abgeräumt, aber egal, ersten hatte ich eh keinen Hunger und zweitens verkraftet mein Astralkörper auch mal eine Mahlzeit weniger. Heute stand nur noch die große Visite mit anschließendem Entlassungsgespräch auf dem Plan. Nachdem ich in aller Ruhe meine Sachen gepackt hatte, war ich dann auch schon an der Reihe für das Gespräch. Groß zu bereden gab es nichts, ich erläuterte den Ärzten nochmal WAS mir WIE wärend meines Aufenthalts geholfen hat und was nicht, dazu bekam ich nochmals gesagt das, sollte es daheim nicht klappen, ich direkt wieder kommen könnte. Erstaunt waren sie, als ich sagte das ich schon etwas traurig bin zu gehen. Nach dem Gespräch gingen wir kurz mobile Datenträger in Form von DVD Rohlingen und USB- Sticks kaufen um diverse Ton und Bilddateien zu tauschen 🙂
Der Tag bis zum Mittagessen ging mal wieder viel zu schnell vorbei, ich stand irgendwie neben mir, ganz in Gedanken versunken.
Ich weis nichtmal mehr was es zum Mittagessen gab.
Nach dem Essen bat ich die anderen zu einer letzten Runde UNO (mit schummeln natürlich)
Klar, es wurde viel gelacht, aber so eine wirkliche Freude kam nicht in mir auf.
Schnell noch den Hausarzt Brief geholt, nochmal geschaut das alles eingepackt ist, Schlüssel vom Schrank abgegeben, mich beim Personal verabschiedet, die Telefonnummern getauscht und dann hieß es auch schon Abschied nehmen von den Leuten, mit denen ich die meiste Zeit hier verbracht habe.
Dann war es Zeit zu gehen.
Der Gang bis zur Tür kam mir heute ewig lang vor. Ganz alleine laufe ich Richtung Ausgang und tausend Gedanken gehen mir durch den Kopf.Die ganze, zwar kurze aber sehr intensive Zeit fliegt nochmal in Gedanken vorbei und ich glaub ich hab sogar eine Träne verdrückt.
Manchmal hat ein Jahr zwölf Stunden, ein Tag nur 10 Sekunden. Die Zeit ist ein Dieb. Sie nimmt sich was sie kriegt.
Tasche auf den Rücksitz geworfen, Schlüssel ins Zündschloss, nochmal ein Blick auf die Rückbank um sicher zu gehen das die Königin von Abalon sich nicht heimlich ins Auto geschlichen hat und los geht’s Richtung Heimat…
Die ganzen Fragen, ob es mir was gebracht hat oder ob es mir besser geht kann ich jetzt mit JA beantworten.
Seit ich mich wegen den Depressionen und den immer öfter kommenden,sagen wir mal, nicht gerade lebensfördernden Gedanken hab einweisen lassen sind nun einige Tage vergangen. Ärztliche Therapieen hatte ich kaum und die niedrige Dosis an Tabletten die ich abends genommen habe war sicher auch nicht der Heilsbringer.
Die zwei Arztgespräche, die 15min Reiten auf dem fetten (aber ganz nettem) Brauereigaul Rosi oder die Ü80 Bewegungstherapie waren meines Erachtens nicht wirklich hilfreich.
Ich denke das die Idee mit dem Blog eine der besten aber auch schwersten Entscheidungen in meinem Leben war. Versucht man den Klinikaufenthalt so gut wie möglich von der Aussewelt zu verbergen weil man denkt man wird sonst sein Leben lang als „Irrer“ gesehen oder stellt man sich seinen Problemen, kackt die harte Schale und kommt aus sich heraus?
Letztes war schlussendlich genau die richtige Entscheidung.
Aber nicht nur allein das Schreiben rund um den Blog war es, was mir geholfen hat.
Ihr wart es, mit euren zahlreichen Aufmunterungen, starken Worten, Lob für meinen Schritt und natürlich dem Interesse an meinem Blog. Das hat mir in dieser schweren Zeit unglaublich viel Kraft und Mut gegeben.
Prägend für mich waren Worte eines alten Freundes, die ich mir an meine persönliche Horizont geschrieben habe und die ich mir immer in Erinnerung gerufen habe wenn es mir wieder schlechter ging:
„…wie du trotz wiederholtem Verletzungspech immer wieder zurückgekommen bist und dann meistens noch brachialer und kompromissloser als zuvor…“
Genau das ist mein Ziel, wieder zu alter Stärke zurück zu finden, aber diesmal ohne immer alles in sich hinein zu fressen was einen betrübt oder Angst macht, sondern Offen mit seinen Problemen umzugehen oder sich auch mal Hilfe zu holen.
Und ich weiß, bzw. hätte es schon immer wissen müssen, das ich NICHT allein bin, sondern EUCH habe. Egal ob in guten oder schlechten Zeiten, egal ob kilometerweit Entfernt oder ganz nah, egal ob seit Jahren nicht mehr geschrieben oder ständig in Kontakt.
Dafür danke ich euch von ganzem Herzen.
Was auch ein sehr wichtiger Bestandteil meiner Therapie war, waren die Leute auf Station.
Anfangs war es das komische Gefühl und die teils falsche Einschätzung der Anderen auf Station. Das zeigt mir das man nicht vorschnell Urteilen soll. Heute würde ich ganz anders schreiben. Anfangs noch als „Zombies“ „Mitinsassen“ usw. tituliert, würde ich jetzt viel öfter das Wort „Freunde“ wählen, zumindest bei denen wo ich den engen Kontakt hatte und so viel unternommen habe (die Königin von Abalon bleibt aber die Königin von Abalon!)
Die ganzen Leute und vorallem meine „Ausflugsgruppe“ haben mir verdammt viel gegeben und geholfen, teilweise sicher auch unbewusst, aber ich habe auf jedes kleinste Detail geachtet.
Das ganze Lachen, die Gespräche oder teils Witze über die eigenen Probleme, die ganzen Unternehmungen oder das WIR Gefühl in der Gruppe! Und sei es nur beim Basketball oder UNO gewesen.
Ich hab es mir vielleicht nicht anmerken lassen, aber ich habe oft an eure Probleme gedacht und mich versucht in eure Lage zu versetzen.
Es tat mir immer verdammt gut wenn ich gemerkt habe das ihr Freude und Spaß hattet! Oder einfach mal dem Alltag und den Problemen entfliehen konntet. Sowas gab mir Kraft und Mut für meine eigene Situation. Ohne EUCH wäre meine Therpie nicht so verlaufen!
Ich bin euch unendlich dankbar das ich ein Teil dieser Gruppe sein durfte. Und denkt immer daran, wenn irgendwas ist oder ihr Hilfe braucht ,einfach nur ein Bier trinken wollt oder eine Runde „Linienwerfen“ spielen wollt, ich bin für euch da!! Ich hab viel Unterstützung und Kraft von Außerhalb der Klinik bekommen, und das gleiche will ich auch euch geben können!
Eigentlich wollte ich keine Namen hier schreiben, aber ich glaube das geht jetzt in Ordnung.
Ein ganz besonderer Dank geht an Katrin,Joachim, Benny und Johannes.
Vielleicht vergisst mich der ein oder andere aufgrund der Krankheit oder den Medikamenten (ggf. der 6-Mann-Armee) oder weil ich eigentlich nur ein Depp auf Kurzurlaub war 🙂 der es hier jetzt total übertreibt, aber auch wenn es nur eine kurze dafür intensive Zeit war, werdet Ihr immer ein Baustein in meinem Leben sein.
Ich wollte eigentlich nicht sentimental werden und die Contenance verlieren, aber jetzt muss ich schon die ein oder andere Träne verdrücken.
Am Tag der vor Einweisung dachte ich noch das das ganze Buch sich schließt aber heute schließt sich ein lehrreiches Kapitel in meinem Leben und ein NEUES beginnt…
Ich weis nicht was ich jetzt aus diesem Blog machen soll, ob ich weiter aus meinem Leben schreiben soll oder ob das mein letzter Eintrag ist. Wenn Ihr wollt, könnt Ihr mir ja Vorschläge machen. Ich wäre dankbar dafür.
So, jetzt habe ich genug geschrieben und euch zugesülzt.
Zum Schluss möchte ich mich nochmal bei allen, egal ob außerhalb oder innerhalb der Klinik bedanken.
Danke für jedes Wort!
Danke für die ganze Kraft!
Danke für die Gedanken an mich!
Danke für jeden Like!
Danke für das Lesen meines Blogs!
Und Danke das keiner während  meiner Zeit in Zwiefalten die Heimaufsicht und Berufsgenossenschaft informiert hat 🙂
Adios!
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4 Kommentare zu „Tag 11: Der Letzte macht das Licht aus… 23.4.2015

Gib deinen ab

  1. Hey lalle. Dein Blog zu lesen macht mir viel Freude. Also ich wäre dafür das du weiterhin Sachen aus deinem Leben hier bloggst. Es kann wie du selber sagst enorm helfen einfach Sachen zu schreiben die einem auf dem Herzen liegen. Und wenn dir das am meisten geholfen hat dann bleib dran 🙂 und die die es vll nicht interessiert müssen es ja nicht lesen. Mich freut es sehr das es dir schon besser geht. Und wünsche dir viel Kraft und Glück auf dem weiteren Weg. Lass dich nicht unter kriegen. Und du wirst sehen es geht immer weiter im Leben. Und wenn man auch mal schwere Phasen hat denke ich oft versuche trotzdem dem ganzen etwas positives ab zu gewinnen. Und sei es nur an Erfahrung. Denn die kann dir keiner nehmen. In diesem Sinne vll sieht man sich ja demnächst mal. Gruß jo

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  2. Schöne runde Story. Autentisch&persönlich. Macht Lust auf mehr: Deine Vorgeschichte, oder bißchen „tiefere“, aber respektvolle Portraits der anderen Patienten/Freunde.
    Schon mal überlegt, das ganze an ne Zeitung zu schicken? Etwa Süddeutsche? Könnte n guter Zeitpunkt sein, das Thema hat grad Konjunktur. Und Redakteure sind auch nur Menschen, die gern Feierabend machen und Biertrinken, die freuen sich über fertiges Material.
    AW

    Gefällt 1 Person

      1. Ich würde eine/mehrere Zeitung suchen, an die Adresse unter „Kontakt“ schreiben: Kurzes Anschreiben, von wegen Erfahrungsbericht Behandlung, könnte ihre Leser interessieren. Dann die Adresse vom Blog, im Anhang vielleicht der gesamte Text als Word.doc und im Anschreiben die Eckdaten, wie Wortzahl & Anschläge…
        Schreib mir mal an nonnenhutmacher(at)gmail.com dann muss ich nicht die Kommentarzeile vollballern.

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